Der Protest

Worum geht es bei unserem Protest?

Teile der weltberühmten „East Side Gallery“ werden seit März 2013 einem Luxuswohnturm und einem Hotelkomplex sowie dem Spekulationswahn der beiden Investoren Maik Uwe Hinkel und Alon Mekel geopfert. Dabei verletzen der Berliner Senat sowie der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wissentlich Berliner Denkmalschutzrecht —  handeln materiell rechtswidrig.

Bereits im August 2013 hatte das Bündnis ‚East Side Gallery retten!‘ mit einer Kritischen Analyse nachgewiesen, dass jedwede Bebauung des ehemaligen Todesstreifens hinter der East Side Gallery nach Berliner Denkmalschutzrecht (§ 10 DSchG Bln) strikt verboten ist, weil eine Bebauung des ehemaligen Todesstreifens in gesetzlich verbotener Weise derart in den Wirkbereich des Denkmals East Side Gallery eingreift, dass das Denkmal faktisch zerstört wird. Sowohl der aufgestellte Bebauungsplan V-74 als auch die erteilten Baugenehmigungen verletzen bestehendes Berliner Denkmalschutzrecht.

Gleichwohl können sich die beiden Bauherren an der East Side Gallery, Dank der an Beihilfe erinnernden Unterstützung des Berliner Senats, auf die Bestandskraft der ihnen zu Unrecht erteilten Baugenehmigungen berufen und auf dem ehemaligen Todesstreifen hinter der East Side Gallery bauen.

Obwohl das Bündnis ‚East Side Gallery retten!‘ diesen Rechtsbruch bereits im September 2013 sämtlichen Denkmalschutzbehörden auf Bezirks- wie auf Senatsebene schriftlich ‚angezeigt‘ hat, bleiben sämtliche Behörden bis heute untätig. Bis heute verweigern sie dem Bündnis sogar die Vergabe eines Aktenzeichens, um nicht tätig werden zu müssen.

Seit März 2013 werden unter bewusster Irreführung der Öffentlichkeit (z.B. Wowereit-„Kompromiss“ zum Schutz der East Side Gallery) Stück für Stück Teile der „East Side Gallery“ eingerissen und sogar Autobrücken über die Spree projektiert, die der Öffentlichkeit fälschlich als Fahrrad- bzw. Fußgängerbrücken vermittelt werden.

Traurig, aber wahr: Die East Side Gallery ist nur durch Protest zu schützen!

East Side Gallery vor der Bebauung
Die East Side Gallery vor der Bebauung: Der „freie Blick“ in den „Geteilten Himmel“ macht sie als einstige Grenze erfahrbar.
East Side Gallery nach der Bebauung
Die East Side Gallery nach der Bebauung: Sie ist zu einer Art „Gartenzaun“ der Luxusbebauung verkommen.
Und es kam schlimmer: Where is the East Side Gallery?
Und es kam schlimmer:  Where is the East Side Gallery?

Ein Denkmal von der Bedeutung der „East Side Gallery“ darf nicht der Gewinnsucht einzelner Spekulanten sowie der Ignoranz der Verwaltung geopfert werden! Hierfür streiten wir.

Warum ist es wichtig,
die East Side Gallery zu schützen?

1. Die „East Side Gallery“ ist vielleicht das weltweit wichtigste Denkmal der neueren Zeitgeschichte, weil sie nicht an die Schrecken der Teilung der Welt in Ost und West, sondern an die „Freude“ im Zeitpunkt der friedlichen Überwindung dieser Teilung erinnert:

So steht die „East Side Gallery“ für die Freude und Hoffnungen im Zeitpunkt des Falls des Eisernen Vorhangs sowie des friedlichen Endes des Kalten Krieges.

Immerhin eines Krieges, der die Welt wiederholt an den Rand eines Atomkrieges gebracht hat. Die Menschen lebten in dieser Zeit in der ständigen Angst ihrer Vernichtung.

Am 9. November 1989 war dieser Spuk von einer Sekunde auf die nächste vorbei. Die Bilder dieses Tages belegen es: Es herrschte Freude. Wahre Freude. Freude, wie sie Schiller in seiner Ode an die Freude beschrieben hat. Es schien, als erfülle sich eine stille Sehnsucht der Menschheit — es schien, als würden nun endlich alle Menschen Brüder.

Wie wir heute wissen, erfüllten sich diese Hoffnungen nicht.

Um so wichtiger ist es, dass wir uns an diesen Tag der Freude erinnern. 1990 bannten engagierte Künstlerinnen und Künstler die Freude und die Hoffnungen der Nacht des 9. November 1989 symbolisch auf ein Teilstück der ehemaligen Berliner Mauer.

Seither hat die Menschheit einen authentischen Ort der Erinnerung an diesen Tag. Dieser Ort hat einen Namen. Er heißt: „East Side Gallery“.

2. Die „East Side Gallery“ ist das Hoffnung spendende Symbol für den Fall von Mauern:

Die East Side Gallery ist somit das Symbol für den friedlichen Fall von Mauern — auch in unseren Köpfen.

 3. Die „East Side Gallery“ ist wichtig für den Tourismus in Deutschland sowie unserer Stadt Berlin:

Nach einer Studie der Deutschen Zentrale für Tourismus e.V. (DZT) aus dem Jahr 2013 stehen die „East Side Gallery“ und die Berliner Mauer auf Platz 5 der beliebtesten Touristenziele in Deutschland.

Mit ihren 1,316 Kilometern Länge ist die „East Side Gallery“ die größte Open-Air-Galerie der Welt und der längste am Originalstandort erhaltene Teilabschnitt der ehemaligen Berliner Mauer.

4. Die „East Side Gallery“ hat UNESCO-Weltkulturerbepotential:

Die Beliebtheit der „East Side Gallery“ in der Welt sowie die hohen Besucherzahlen belegen, dass die einmalige Verbindung von Kunst und zeitgeschichtlichem Denkmal von den Menschen in aller Welt wie ein Weltkulturerbe gewürdigt wird.

Zudem fordern international renommierte Wissenschaftler wie der Denkmalschützer Prof. Dr. Leo Schmidt öffentlich, die „East Side Gallery“ als UNESCO-Weltkulturerbe vorzuschlagen. Schmidt, der Inhaber des Lehrstuhls für Denkmalpflege an der BTU Cottbus ist und zudem als Gutachter für den International Council on Monuments and Sites (ICOMOS) arbeitet, erklärte im April 2013 in einem Interview der Berliner Zeitung, dass die „East Side Gallery“ nach seiner Expertise als herausragendes politisches Denkmal gute Chancen habe, in die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen zu werden.

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