Wofür steht die East Side Gallery?

Zufriedenstellend  wird diese Frage von künftigen Historikern in der Rückschau zu entscheiden sein. Gleichwohl möchte das Bündnis „East Side Gallery retten!“ auf Basis seiner inzwischen zweijährigen Arbeit einen Diskussionsbeitrag leisten:

Berliner Mauer: Mahnmal des Schreckens

Die Berliner Mauer steht als Mahnmal für die Schrecken des Kalten Krieges. Sinnbild für die 40-jährige Periode des Schreckens ist die Gedenkstätte Berliner Mauer in Berlauer Straße (Berlin). Hier wird an die Teilung der Welt in Ost und West, den Eisernen Vorhang in der Gestalt der Berliner Mauer, Fluchttunnel und insbesondere an die „Mauertoten“ erinnert.

East Side Gallery: Denkmal der Freude?

Erinnern wir uns an die Bilder in der Nacht des 9. November 1989, haben wir in erster Linie Bilder der „Freude“ vor Augen: Wir denken an wartende, euphorische Menschenmassen – dazwischen mehr oder weniger ratlose Grenzsoldaten. Wir denken an lange Trabbi-Schlangen inmitten dieses Menschenstroms. Wir denken an wildfremde Menschen, die einander wie Brüder in die Arme fallen. Wir denken an „Mauerspechte“ und an wieder andere Menschen, die wie wild auf Trabbi-Dächern trommeln – denken an Sektfontänen.

Die East Side Gallery verkörpert die Hoffnungen und Träume aber auch die Ängste in der Nacht der „Freude“ über den Mauerfall, wie sie 1990 auf Initiative von David Monty von internationalen Künst­lerinnen und Künstlern auf Beton gebannt wurden, der die Welt einst in Ost und West teilte.

Sie wurde damit zum Symbol der „Freude“, wie sie bereits Schiller in seinem Gedicht „An die Freude“ — einem utopischen Ereignis gleich — zu Beethovens 9. Symphonie ausge­drückt hat. Die Nacht des 9. November 1989 war die Nacht, in der der sanfte Flügelschlag der Tochter aus Elysium — diese von Schiller beschriebene Freude — für kurze Zeit auf unserer Erde spürbar war. Eine Nacht, in der die Menschen tatsächlich zu Brüdern wurden.

East Side Gallery: Symbol für den Fall von Mauern

Aufgrund der Erfahrungen dieser Nacht ist die East Side Gallery heute für die Menschen ein Symbol der Hoffnung für den friedlichen Fall von Mauern, wie wir sie auch heute noch vielfach in der Welt vorfinden: zum Beispiel die Mauer in Gaza, die Mauer zwischen Nord- und Südkorea, die Mauer zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Mexiko, die Außengrenze der EU.

Vielleicht würde sie als ein „lebendiges Denkmal“ sogar ein Symbol für die Überwindung von Mauern in unseren Köpfen.

Jedenfalls verkörpert sie eine tief in jeden Menschen verwurzelte Sehnsucht:

Den Wunsch der Menschen nach Freiheit.

East Side Gallery: Touristenmagnet mit Weltkulturerbepotential?

Vielleicht ist auch dies der Grund, warum der Strom der an die East Side Gallery „pilgernden“ Touristen nicht abreißen will. Vielleicht der Grund dafür, dass die East Side Gallery auf Platz fünf der beliebtesten Touristenziele in Deutschland rangiert und international renommierte Wissenschaftler wie Prof. Dr. Leo Schmidt, Denkmalpfleger und Gutachter für den International Council on Monuments and Sites (ICOMOS) sowie Inhaber des Lehrstuhls für Denkmalpflege an der BTU Cottbus-Senftenberg, der East Side Gallery als politisches Denkmal große Chancen zubilligen, UNESCO-Weltkulturerbe zu werden.

East Side Gallery: Denkmal der Freude über die Wiedervereinigung?

Und stünde nicht auch Deutschland ein Denkmal der Freude als Einheitsdenkmal gut zu Gesicht?

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